4. Aachener Friedenstage
März 2003


 

Aus der Chronik der Stadt Aachen:

 

Schauplatz der 4. Aachener Friedenstage ist die Citykirche St. Nikolaus in der Großkölnstraße. Auf dem Programm stehen neben einer Ausstellung Veranstaltungen aus den Bereichen Literatur, Musik, Theater und Malerei. Das „Euregio Pro(jekt) Frieden“ setzt als Veranstalter auch in diesem Jahr auf die bildende Kunst als Impulsgeber für die Friedensbewegung.

 


 

Aus der Einladung zu den 4. Aachener Friedenstagen:

 

„Der Faschismus findet nicht außerhalb von uns statt, sondern in unseren Seelen als eine Zerstörung unseres wahren Selbst, als Leugnung des Schattens den wir werfen, und als ein Wille zur Zerstörung des aus uns selbst auf den sogenannten Fremden herausprojizierten Bösen.“

 

(Rainer Schmidt, 1995)

 

„Ich aber behaupte, das grausame Gesetz der Kunst besteht darin, dass die Wesen sterben und dass wir selbst sterben und dabei alle Leiden bis auf den Grund ausschöpfen, damit das Gras nicht des Vergessens sondern des ewigen Lebens sprießt, der derbe, harte Rasen fruchtbarer Werke, auf dem künftige Generationen heiter, ohne Sorgen um die, die darunter schlafen, ihr Frühstück im Freien abhalten werden.“

 

(Marcel Proust, als Antwort auf ein Zitat von Victor Hugo)

 


 

Liebe Bürger und Bürgerinnen, liebe Mitmenschen,

 

euregio pro frieden e. V. möchte Sie anlässlich der 4. Aachener Friedenstage vom 19.03.03 bis zum 23.03.03 zu einer Reihe von Veranstaltungen einladen, die sich auf ganz unterschiedliche Weise alle mit dem Thema „FRIEDENS-BRUCH-STÜCKE“ kreativ und kritisch auseinandersetzen werden. Gerade vor dem Hintergrund der brutalen Auseinandersetzungen im Nahen Osten und der sich abzeichnenden Gefahr eines Krieges im Irak wollen wir mit vielen anderen Menschen in Aachen aktiv sein und Zeichen setzen. Gewalt und Krieg haben nie Probleme nachhaltig lösen können, um so wichtiger ist es, dass die Menschen, je einzelnen für sich und mit anderen zusammen, die individuelle Persönlichkeit weiter entwickeln sowie die Entscheidungen der politischen Sphäre kritisch begleiten. Frieden ist ohne friedvolle Menschen und bessere Lebensverhältnisse weder bei uns noch anderswo zu realisieren.

 

Wenn Sie an den umseitig genannten Veranstaltungen teilnehmen möchten, können Sie einfach zu den entsprechenden Zeiten in der City-Kirche vorbei kommen. Wir hoffen, dass sich viele Menschen aus Aachen und der weiteren Umgebung beteiligen.

 

Eine der entscheidenden Fragen lautet heute: Wie lässt sich der Teufelskreis von Angst und Verzweifelung öffnen, zu einer Haltung von Vertrauen und Zuversicht? Solche Fragestellungen könnten eine Perspektive bieten, innerhalb deren auch die fortwährende Bereitschaft zu kriegerischen Handlungen in der Welt analysiert und nachgefühlt werden kann.

 

Wir erwarten gerade durch Impulse aus der Kunst eine tiefgehende, dialektische Auseinandersetzung und erhoffen uns von daher Beiträge, die sich im weitesten, als auch in konkretem Sinne in ein solches Projekt einbringen können. Dabei möchten wir uns keinesfalls auf „politische“ Kunstformen wie Kabarett, Chanson etc. beschränken, sondern gerade auch die bildende Kunst in jeglicher Art (Musik, Tanz, Malerei, Lyrik und anderes) als gelebtes Recht auf menschliche Kreativität und Individualität einbeziehen.

Wir wünschen uns ihr Interesse und rege Teilnahme an unserem Vorhaben.

 

Aachen, im Februar 2003

Veronika Thomas-Ohst

 


 

 

 


 

Aachener Nachrichten vom 10. März 2003

 

Anlass aktueller denn je: 4. Aachener Friedenstage ab 19. März

von Boris Cremer

 

AACHEN. Im Nahost-Konflikt zeichnet sich keine Lösung ab, ein Krieg im Irak scheint unausweichlicher denn je: Aktueller könnte der weltpolitische Rahmen der 4. Aachener Friedenstage kaum sein.

 

Schauplatz wird dieses Jahr vom 19. bis 23. März die Citykirche St. Nikolaus in der Großkölnstraße sein. Auf dem Programm stehen neben einer Ausstellung Veranstaltungen aus den Bereichen Literatur, Musik, Theater und Malerei.

Das „Euregio Pro(jekt) Frieden” setzt als Veranstalter auch in diesem Jahr auf die bildende Kunst als Impulsgeber für die Friedensbewegung. Dabei setzen die Verantwortlichen bei der Persönlichkeit jedes einzelnen an: „Für uns ist Frieden das Ziel der menschlichen Entwicklung und weniger eine kollektive Herausforderung”, so Jürgen Jansen, Vorsitzender des Euregio Projekts Frieden. Und seine Stellvertreterin Vera Thomas-Ohst ergänzt: „Die Mittel der Friedensarbeit sind vielfältig, jeder Mensch kann eine eigene Form finden sich einzubringen”.

 

Als besonders erfreulich erwies sich laut Angabe aller Beteiligter die Zusammenarbeit zwischen dem Euregio Friedensprojekt und Pastor Klaus Kaiser, der mit dem „Kirche für die Stadt e. V.” an der Planung beteiligt war und bereitwillig der Austragung in der Citykirche zustimmte. Während der fünf Aachener Friedenstage wird in der Citykirche St. Nikolaus eine Ausstellung von Künstlern aus der Euregio zu sehen sein, deren Werke Zeichen für ein humanes und friedliches Miteinander setzen sollen.

 

Ausstellen werden unter anderem die in Vaals wohnhaften Gerd Lebjedzinski und Jupp Linssen sowie der Aachener Bernd Radtke. Da die ausstellenden Künstler ihre Exponate für die gute Sache honorarfrei zur Verfügung stellen, ist der Besuch der Ausstellung an allen Tagen kostenlos. „Wir hoffen, dass es zu einem Austausch zwischen Künstlern und Besuchern kommt, wozu die Citykirche sicherlich anregt”, so Jansen.

 

Das Rahmenprogramm der Ausstellung bilden fünf Veranstaltungen, von denen vier ebenfalls in St. Nikolaus stattfinden. Unter anderem stehen am 20. März ein Vortrag zum Thema „Krieg und Frieden aus tiefenpsychologischer Perspektive” und einen Tag später ein Jazzabend mit dem Titel „Love and peace in Jazz und Pop” auf dem Programm.

Besondere Aufmerksamkeit richten die Veranstalter auf die Generalprobe des Theaterstücks „blau”, die am 22. März in der Mies-van-der-Rohe-Schule aufgeführt wird. Das Stück versteht sich als szenische Visualisierung von Leben und Tod und passt in den Augen der Veranstalter thematisch hervorragend in das Gesamtkonzept.