Jahresrückblick 2018 des Euregioprojekts Frieden e. V., Aachen

Fassung vom 05.01.2019

 


 

Auch in diesem Jahr kamen wir dem Weltfrieden nicht näher, ganz im Gegenteil, die kriegerischen und blutigen Konflikte weltweit breiten sich aus und die gegenseitigen Drohgebärden der Herrschenden machen – wahrscheinlich beabsichtigt – Angst. Ängstliche Menschen sind bekanntlich leichter zu führen, und so schweigen und kompensieren die Lämmer und verdrängen ihre Furcht vor Krieg und wirtschaftlichem Absturz.

 

Erschwerend und erschütternd hinzu kommt die Entscheidung unserer Bundesregierung, für 2019 einen Rekordetat von 356 Milliarden Euro zu beschließen. Die Ausgaben steigen im Vergleich zu 2018 um 13 Milliarden Euro, wovon alleine 4 Milliarden in die militärische Aufrüstung investiert werden. Dabei fehlen weiterhin Milliarden für Bildung, sozialen Wohnungsbau, öffentlichen Nahverkehr, kommunale Infrastruktur und regenerative Energieversorgung. Wie viel Sinnvolleres könnten wir mit diesen 4 Milliarden Euro anstoßen, wie Hilfe zur Selbsthilfe in den armen Ländern, Entspannungspolitik, auch die mit Russland, voranbringen, Austausch von Jugendlichen und Vertrauen zwischen den Völkern aufbauen, die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa stärken etc. Aber nein, diese Bundesregierung rüstet auf, steckt Milliarden in Panzer, Raketen und Drohnen. Sie verschärft das Denken in Feindbildern wie zu Iran und Russland, um die immensen Ausgabensteigerungen zu rechtfertigen. Und dieser Wahnsinn soll noch weiter gehen, der Rüstungsetat von 43,2 Milliarden Euro im Jahr 2019 soll in den nächsten Jahren noch auf sage und schreibe 70 Milliarden steigen, um 2 % des Bruttoinlandsprodukts zu erreichen. Für Entwicklungshilfe bringen wir es gerade mal auf 0,7 %.

 

Ich danke dem Aachener Friedensaktivisten Wolfgang Weißhuhn, der diese Fakten recherchierte, zusammentrug  und in einem Leserbrief veröffentlichte.

 

Ich erinnere daran, dass für mich nach über dreißig Jahren Friedensarbeit, in unterschiedlichen Organisationen der Friedensbewegung, die Motivation nachlässt. Wenn der Wille und der Wunsch nach Veränderungen in unserem Gesellschaftssystem, nach so langem Kampf, anscheinend unerhört verhallt, fehlt irgendwann die Kraft, Inspiration und Ausdauer. Der Blick auf die Zustände in unserer Welt und die entsprechenden Lösungsversuche finden auch in anderen Dimensionen unterwegs statt. Dennoch wird es die 20. Aachener Friedenstage im Jahr 2019 geben, wir werden uns bemühen, wichtige und interessante Schwerpunkte zu setzen und zu bearbeiten.

 

Im vergangenen Jahr dehnten wir die Aachener Friedenstage, die in den letzten neunzehn Jahren im Frühjahr von März bis Mai stattfanden, bis in den November hinein aus. Unsere Energien, Ideen und die Arbeit investierten wir im Jahr 2018 in folgende Projekte:

 

  • 7. Februar im Haus der Evangelischen Kirche in Kooperation mit dem Evangelischen Erwachsenenbildungswerk und der Aachener Aktionsgemeinschaft Frieden jetzt: Vortrag von Hermann Ploppa zum Thema „Die Macher hinter den Kulissen – wie transatlantische Netzwerke heimlich die Demokratie unterwandern“

  • 14. April im Haus der Evangelischen Kirche in Kooperation mit dem Evangelischen Erwachsenenbildungswerk: Vortrag von Jürgen Grässlin zum Thema Waffenhandel: „Wer Waffen sät wird Flüchtlinge ernten“

  • 29. April im Haus der Evangelischen Kirche in Kooperation mit dem Evangelischen Erwachsenenbildungswerk: Benefizveranstaltung für das Euregioprojekt Frieden von dem Kabarettisten Philip Simon: „Meisenhorst“. In seinem neuen Programm fordert er sein Publikum auf, im Gedankenstübchen mal wieder selbst die Strippen zu ziehen, denn „Reflexion ist mehr als nur ein unangenehmes Blitzen im Auge …“

  • 2. Mai im Haus der Evangelischen Kirche in Kooperation mit dem Evangelischen Erwachsenenbildungswerk: Regisseur Daniel Harrich zeigte seinen Film „Meister des Todes“ mit anschließender ergänzender Dokumentation „Tödliche Exporte“

  • 29. Mai in der Annakirche in Kooperation mit dem Evangelischen Erwachsenenbildungswerk: szenische Lesung „Adressat unbekannt“ mit Andreas Grude, Udo Brombach und Waltraud Koenen

  • 3. November: Unterstützung der Aktion Abrüsten statt Aufrüsten am Aachener Elisenbrunnen, um auf die unverantwortliche Erhöhung des Militärbudgets aufmerksam zu machen, die im November im Bundestag beschlossen werden sollte. Kooperationspartner waren die Aachener Aktionsgemeinschaft Frieden jetzt, die Aachener Bürgerinitiative Gute Nachbarschaft mit Russland, die Linke in der Städteregion Aachen, die Unbelehrbaren für Frieden und Völkerverständigung und die Würselener Initiative für den Frieden.

  • 11. bis 25. November: Ausstellung in der Salvatorkirche zum Thema „Die Macht der Gier oder Gier frisst Hirn“ mit vielen Künstlern aus der Euregio und dem Bundesverband bildender Künstler in der Euregio, in Kooperation mit dem Sozialwerk Aachener Christen (Salvatorkirche)

  • 17. November: Das Theaterensemble Berliner Compagnie gastiert auf Einladung unserer Kooperationsgruppe um Wilfried Hammers in Herzogenrath mit dem Stück „Sehnsucht nach dem Frühling“, eine Reflexion zum Krieg in Syrien.

  • 20. November: Abschlussveranstaltung der 19. Aachener Friedenstage in der Citykirche. Eine Multivisionspräsentation, gestaltet von Bernd Radtke, zum Thema die Macht der Gier, mit Beiträgen des Klangkünstlers Lasse Lemmer und Textbeiträgen, vorgetragen von Barbara Portsteffen und Gerd Haller.

 

Auch in diesem Jahr bedanken wir uns herzlich für Unterstützung und Spenden, für ehrenamtliches Engagement, gute Gedanken und Ideen, für freundliche Mitstreiter*innen, für friedliche Umgangsformen, konstruktive Beiträge aus Kunst  und Wissenschaft und für die Teilnahme an wichtigen Demonstrationen. Ein besonderer Dank geht an Werner Consten, dem Gestalter unserer Homepage, auch für seine fotografischen Beiträge für das Euregioprojekt Frieden.

 

Aachen, im Januar 2019


Veronika Thomas-Ohst

Vorsitzende Euregioprojekt Frieden e. V.