Reuven Moskovitz
geboren am 27. Oktober 1928 in Frumusika, Rumänien
gestorben am 4. August 2017 in Tel Aviv, Israel

 


 

Der lange Weg zum Frieden.


Wir trauern um unseren Freund und Referenten Reuven Moskovitz, der im Alter von 88 Jahren am 4. August in Tel Aviv gestorben ist.


Eine laute Stimme für die Aussöhnung der Juden und Palästinenser sowie für die Aussöhnung zwischen Juden und Deutschen, deren Schicksal er durch die Ereignisse des Zweiten Weltkrieges in tragischer Weise verknüpft sah, ist verstummt.


Der lange Weg zum Frieden ist der Weg eines Mannes, der erkannt hat, dass das Böse potenziell in jedem Menschen wohnt und nicht auf einzelne Völker beschränkt ist. Für die Überwindung des Bösen, für Toleranz und die Akzeptanz des anderen, die den Weg zum Frieden, sowohl in den persönlichen als auch in den Beziehungen zwischen Staaten und Völkern überhaupt erst ermöglichen, setzte sich der israelische Jude Reuven Moskowitz seit Jahrzehnten ein.


Am 27.10.1928 in dem Schtetl Frumusica im Norden Rumäniens geboren, überlebte er trotz Verfolgung und Vertreibung den Holocaust. 1947 wanderte er nach Palästina aus, wo er zum Mitbegründer des Kibbuz Misgav-Am an der libanesischen Grenze wurde. Nach dem Studium der Geschichte und der hebräischen Literatur an der Universität Tel Aviv und der Hebräischen Universität in Jerusalem war er lange Zeit als Geschichtslehrer tätig. 1974 verbrachte er ein Forschungsjahr in Berlin mit dem Thema „Deutsche und Juden zwischen der Macht des Geistes und der Ohnmacht der Gewalt“.

 

 

Reuven Moskovitz bei den 14. Aachener Friedenstagen
in Vaals vor einem Bild von Gerd Lebjedzinski


Er engagierte sich von Anfang an in der israelischen Friedensbewegung und wurde nach dem Sechstagekrieg Sekretär der neu entstandenen „Bewegung für Frieden und Sicherheit“, die sich gegen die Annexion der besetzten Gebiete und für eine sofortige Lösung des Flüchtlingsproblems, die gegenseitige Anerkennung Israels und der arabischen Staaten sowie das Recht der Palästinenser auf Selbstbestimmung einsetzte. Als Mitbegründer Neve Shaloms, einer Siedlung, in der israelische Juden und Palästinenser zusammenleben, und als Organisator von Studienreisen durch Israel bemühte sich Reuven seit vielen Jahren um die jüdisch-palästinensische Aussöhnung. Zu diesem Zweck schrieb er Artikel und Briefe, hielt Vorträge und kommentierte bis zum Ende seines Lebens das aktuelle politische Geschehen regelmäßig in Funk und Fernsehen.


Für seine Friedensarbeit wurde er im Jahr 2003 mit dem Aachener Friedenspreis ausgezeichnet.


Reuven liebte Aachen sehr und kam gerne zu Vorträgen und zum Musizieren zu seinen Freunden – nie ohne Mundharmonika und Geige. Eine Veranstaltung mit Reuven war immer ein Fest der Freundschaft und des friedlichen Beisammenseins – wir werden ihn und diese Friedensfeste sehr vermissen und danken dem Leben für die gemeinsamen Stunden mit ihm.


Am Sonntag wurde er in „seinem“ Friedensdorf Neve Shalom beigesetzt.

 

Am 2. September 2017 fand in der Berliner Gethsemane-Kirche eine Gedenkfeuer für Reuven statt. Lesen Sie hierzu bitte den bebilderten Bericht von Ekkehart Drost (PDF, 3,5 MB).

 

Veronika Thomas-Ohst